http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0252
252
Der Trompeter von Sãcingen.
In den Käfig von Vincennes'.
Tod und Teufel! ſprach der tapfre
Hans von Weerth, 's war doch einſt luſt'ger,
Im Galopp, mit blankem Pallaſch
Zur Attacke anzuſprengen,
Als hier — auf der Pritſche liegend,
Mit der Langweil' zu turnei'n;
Gegen die hilft keine Waffe,
Selbſt nicht Wein und Würfelbecher,
Nur der Tabak, — hab's erprobet
Im gelobten Land der Langweil',
Bei den Mynheers, — 's wird auch hier uns
Guten Dienſt tun, laßt uns rauchen!
Sprach's — der Kommandant der Feſtung
Schafft' von niederländ'ſchem Krämer
Uns ein Faß Varinasknaſter,
Schafft' uns auch gebrannte Pfeifen.
In der Zell' der Kriegsgefangnen
Anhub bald ein ungeheures
Qualmen, Dampfen, Wolkenblaſen,
Wie's in dem galanten Fraͤnkreich
Noch kein ſterblich Aug' geſehn.
Staunend ſahen's unſre Wächter,
Und die Kunde kam zum König,
Und der König kam höchſtſelber
Anzuſchaun das blaue Wunder.
Bald erzählte ganz Paris ſich
Von den wilden deutſchen Bären
Und von ihrer unerhörten
Wunderſamen Kunſt des Rauchens.
Wagen fuhren, Pagen ſprangen,
Kavalier' und ſtolze Damen
Kamen in die enge Wachtſtub',
Und auch ſie kam, ſie, die ſtolze
Leanor Montfort du Pleſſys,
Heut noch ſeh' ich ſie den zarten
1 Das Schloß in Vincennes, der öſtlichen Vorſtadt von Paris, wurde
als Staatsgefängnis benutzt.
226⁰
2270⁰
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0252