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Der Trompeter von Säckingen.
's ſoll kein Sterbenswörtlein über
Meine Zung' hinfüro kommen
In betreff des böſen Rauchens.“
Huldvoll lächelte der Freiherr.
Sprach: „Du haſt auch ob des Weintrunks
Stichelreden dir erlaubt, ich
Hätt' ſchier Luſt, dir zur Belehrung
Noch ein anderweites Stücklein
Zu erzählen, wie zu Rheinau,
Bei dem Fürſtabt in dem Kloſter,
Ich einſt in Hallauer Weine
Einen ſchweren Strauß beſtand.
Doch — —“ der Freiherr hielt und ſchaute
Nach dem Fenſter: „Blitz und Donner!
Was iſt das für ein Trompeten?“
Süß klang draußen durch die Märznacht
Werners Blaſen zu dem Schloß auf,
Einlaß bittend, wie die Taube,
Die, zurück zur Herrin fliegend,
Ans verſchloßne Fenſter bittend
Mit dem Schnabel pickt und hämmert.
Zum Balkone trat der Freiherr,
Trat die Tochter, gravitätiſch
Folgte beiden Hiddigeigei,
Ahnung zog durchs Katerherz ihm,
Ahnung großer künft'ger Dinge.
Und ſie ſpähten — doch vergebens,
Denn des Schloßturms Schatten deckte
Den Trompeter und die Kiesbank.
Jauchzend doch wie Fagdhalali,
Schmetternd wie zum Reiterangriff,
Klang's herauf noch zum Balkone;
Stille dann — ein dunkler Nachen
Schwamm auf dunkler Flut rheinaufwärts.
Rückwärts ſchritt der Freiherr — haſtig
Zog die Glock' er, rief den Diener
Anton, Anton kam gegangen:
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