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Der Trompeter von Säckingen.
„AMeiner Seel'“, ſprach der getreue
Anton, und er rieb die Stirne:
„Ihr habt einen harten Schädel.“ —
„Eurer ſcheint mir auch nicht ganz mit
Woll' und Seegras auswattiert“,
War des Schiffermartins Antwort,
„Und was braucht am frühen Morgen
Ihr ſo durch die Stadt zu rennen?“ —
„Dieſes frag' ich Euch“, ſprach Anton.
„Ich ſuch' einen, der mir geſtern
Meinen Kahn vom Afer löſte“,
Sprach zu ihm der Schiffermartin,
„Glaub', den ſuch' ich auch“, ſprach Anton. —
„Wie ich heut ans Fiſchertor komm',
Liegt mein Schifflein umgeſtülpt am
Ufer, — Ruder iſt zerſprungen
Und der Haltſtrick iſt entzwei.
Wenn doch ein Gewitter ſolches
Unnütz Volk zuſammenſchlüge,
Das bei Nacht und Nebel auf dem
Rhein in andrer Leute Schiff fährt.“ —
„Und Trompete bläſt“, ſprach Anton.
„Aber find' ich ihn, ſo muß er
Mit mir vor den Bürgermeiſter;
Zahlen muß er; — auch das blaue
Mal, das Ihr an Kopf mir ranntet,
Bring' ich ihm in Rechnung; 's iſt ja
Schmählich, wie mich dieſer Burſche
Durch die Stadt herumſprengt!“ — Alſo
Schimpfend ging der Schiffer weiter.
„Ich ſeh' auch nicht ein, warum ich
Mich ſo placken ſoll um einen
Unbekannten Ruheſtörer“,
Sprach drauf Anton zu ſich ſelber.
„'s ſcheint mir auch, 's wär' ungefähr die
Stund' jetzt, wo ſich ein vernünft'ger
Mann nach einem Frühtrunk umſchaut.“
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