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Der Trompeter von Säckingen.
Dafür iſt er zu beſcheiden;
Glaub' beinah, 's iſt einer, der ſich
Auf die Scheidekunſt verſteht,
Auf den Zauber Salomonis,
Golderzeugung, Stein der Weiſen.
Wart', ich fang' dich“, — und er lenkt' die
Rede auf vergrabne Schätz' und
Mitternächtig Geiſterbannen.
„Ja, mein Freund, und hier beim Städtlein
Liegt im Rheine eine Sandbank,
Dort, aus Fridolini Zeiten,
Iſt verſenkt ein großer Goldſchatz.
Wer's verſtünd', — von dort aus könnt' ein
Kluger Mann ſein Glück noch machen.“
„Kenn' die Sandbank“, ſprach jung Werner,
„Glaub', ich bin im Mondſchein geſtern
Auf dem Rhein dorthin gefahren.“
„Was, Ihr kennt ſie ſchon?“ verwundert
Sprach's der Knopfwirt, und er dachte:
„Hab' ich dich?“ und ſchaute fragend
Auf jung Werners Taſchen, ob nicht
Sich von güldenen Denaren
Ein Geklingel drin erhöbe.
„Hab' ich dich?“ ſo ſprach inzwiſchen
Fröhlich auch der treue Anton.
„'s iſt doch gut, wenn man zu rechter
Zeit ſich einen Frühtrunk beilegt.“
Von dem Platz, wo er geſeſſen,
Hatt' er das Geſpräch erlauſchet,
Und zum Überfluß erſah er
Bei des Fremden Hut und Degen
Die Trompete auf dem Tiſch.
Zu den beiden trat er ernſthaft:
„Mit Verlaub, ſo Ihr kein Geiſt ſeid,
— Und das ſcheint mir nicht, dieweil Euch
Euer Frühſtück baß behagt hat —
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