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Der Trompeter von Säckingen.
Aber feſten Gangs und aufrecht
Schritt er heimwärts aus dem Städtlein.
An der Rheinbrück' grüßt er's ſpöttiſch
Noch mit einem Schelmenlied.
Dann ein Fehltritt! — armer Raßmann!
Senkrecht ſtürzt' er in die Liefe,
Und des Rheins furchtbarer Strudel
Donnert ſchäumend übers Grab des
Brävſten aller Stabstrompeter.
Ha, das war ein ſtolzes Blaſen!
Raßmann! Raßmann! warum ſtarbſt du?“
Schier gerührt erzählt's der Freiherr,
Fuhr dann fort nach einer Pauſe:
„Junger Freund, und geſtern abend
Klang's vom Rhein herauf als wie ein
Geiſtergruß des Stabstrompeters.
Eine Fuge hört' ich blaſen,
Eine Fug', ein Tongewebe
Wie aus Raßmanns beſten Tagen.
Wenn wir die Trompete hätten,
Wär' die Lück' ergänzt, ich führte
Wiedrum ein komplett Orcheſter
Kommandierend in die Tonſchlacht.
Drum ergeht an Euch mein Vorſchlag:
Bleibt bei uns, — bei mir im Schloſſe.
Lahmgeworden iſt der Waldſtadt
Muſika, o blaſt ein neues
Leben in die Knochen ihr!“.
Sinnend ſprach zu ihm jung Werner:
„Edler Herr! der Vorſchlag ehrt mich.
Doch ich heg' ein ſchwer Bedenken.
Schlank und g'rad bin ich gewachſen
Und hab' nicht gelernt, in fremdem
Dienſt den Rücken krumm zu biegen.“
Sprach der Freiherr: „Darum macht Euch
Keine Sorg'; der freien Künſte
Dienſt krümmt keinem ſeinen Rücken.
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