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Der Trompeter von Säckingen.
Bis ſie denen an dem Ufer
Nahe waren, dann mit ſtarkem
Ruck an beiden Enden hoben
Das Genetz ſie aus den Fluten,
Reicher Beute ſchon gewärtig.
Aber in ſich ſelbſt verwickelt
Hob ſich's langſam, hob ſich und war
Leer, — ein ungeſchickter Rudrer
Hatt' am Sinken es verhindert,
Lachend war der Seebewohner
Diesmal der Gefahr entronnen.
Scharfen Blickes ſpürt der Knopfwirt
Rings in allen Maſchen, — ringsum
Troff ihm Waſſer nur entgegen,
Doch kein Fiſchlein wollt' ſich zeigen;
Nur ein namhaft alter Stiefel .
Und 'ne plattgedrückte Kröte.
Dieſe ſah mit ſonderbaren
Augen auf den ſonnbeglänzten
Tannenwald und auf die Menſchen.
Und ſie dacht': „Es iſt doch wahrhaft
Unbegreiflich, wie bei ſolcher
Sonn' und unter ſolchem Himmel
Man des Lebens ſich erfreun mag.
's ſcheint, daß die hier oben keine
Ahnung haben von dem Sumpf und
Seiner Pracht: o ſäß' ich wieder
Im elementaren Grundſchlamm!“
Die am Ufer hoben nun ein
Unauslöſchliches Gelächter
Ob des erſten Fiſchzugs Segen.
Doch im Zorn entbrannt' der Knopfwirt,
In das Lachen tönt' ſein Scheltwort:
„Dumme Jungen — Pfuſcher — Strohköpf' 1
Und mit grimmem Fußtritt ſchleudert'
Er die Beute fort, es flog der
Stiefel und die Kröt' einträchtig
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