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7. Der Ausritt zum Bergſee. 273
Nach der Flut, der ſie entſtiegen.
Hellauf plätſchernd klang ihr Fall dort.
Nun zum andernmal verſuchten
Die Getäuſchten ihren Glücksſtern,
Löſten die verſchlungnen Maſchen,
Warfen dann das Netz vorſichtig
In den Grund und hoben's ſorgſam.
Manchen kräft'gen Ruck und Armdruck
Braucht' es jetzo, es zu heben,
Helles Hurra! und Halloruf
Grüßte den gelungnen Fiſchzug.
Von dem Hügel ſtieg der Freiherr
Zu den Fiſchern, und neugierig
Wollten's auch die Damen ſchauen.
Über Fels und Strauchwerk ſuchten
Einen Pfad ſie nach dem Ufer.
Margareta auch, trotz ihres
Langen Reitkleids, ſtieg hernieder.
Sie erſah jung Werner; zagend
Wagt' er's, ihr den Arm zu bieten,
Und beklemmt ſchier ward's zu Sinn ihm.
So mocht' einſt Sir Walter Raleighs
Herze klopfen, wie als Teppich
Er der königlichen Herrin
Seinen Mantel legt' zu Füßen.
Freundlich dankend aber ſtützte
Margareta auf jung Werners
Arm ſich; drauß im grünen Walde
Schwindet manch unnütz Bedenken,
Was den Zeremonienmeiſtern
Anderwärts viel Sorg' verurſacht,
Und der Pfad war wirklich ſchwierig,
Und kein andrer Arm war nah.
An dem See erſchauten heiter
Sie des Fiſchzugs Beute, zappelnd
Schlüpften in des Netzes Maſchen
1 Eliſabeth von England, deren Gunſt der berühmte Seeheld genoß.
Scheffel. II. 18
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