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Der Trompeter von Säckingen.
Die Gefangnen, mancher ſuchte
Schnalzend ſich daraus zu löſen,
Doch er fiel in Sand des Ufers,
Und vergeblich war die Flucht ihm.
Die ſich in dem Grund einſt bitter
Haßten, lagen itzt von gleicher
Haft umfangen beieinand:
Glatte, ſchlangengleiche Aale,
Wohlgenährt' breitnaſ'ge Karpfen
Und der Seekorſar, der ſchmale
Hecht mit den gefräß'gen Zähnen.
Wie im Krieg unſchuldig manch ein
Bäuerlein wird totgeſchoſſen,
Traf des Fiſchzugs bös Verhängnis
Hier manch andern Seekumpan:
Junge Barben, plumpe Grundeln,
Dünne grundſatzloſe Weißfiſch';
Und ſchwerfällig kroch der braune
Seekrebs durch das Fiſchgewimmel,
Brummte traurig durch die Zähne:
„Mitgefangen, mitgehangen!“
Wohlzufrieden ſprach der Freiherr:
„Nach der Arbeit ziemt Erholung.
Und mir ſcheint, die friſche Beute
Wird am beſten hier im friſchen
Wald euch ſchmecken — laßt uns hier ein
Ländlich einfach Mahl bereiten.“
Sprach's; ſein Wort gefiel den andern,
Und der Wirt zum Goldnen Knopfe
Sandte zwei ſchnellfüß'ge Burſche
Nach dem Städtlein mit der Weiſung:
„Bringt der größten Pfannen zweie,
Bringt mir gelber Butter Vorrat,
Bringt mir Salz und Brot die Fülle
Und 'nen Schlegel alten Weins,
Bringt Zitronen auch und Zucker,
Ahnung ſagt mir: eh' die Sonne
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