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Der Trompeter von Säckingen.
Grät'benagen, Krebsſcher'knicken,
Zogen durch des Waldes Stille.
Oben ward indes ein köſtlich
Feiner Maiwein zubereitet.
In gewalt'ger Schüſſel hatt' ihn
Margareta ſachverſtändig
Angeſetzt, und lind und würzig,
Wie der junge Maien ſelber,
War der Trank; ſie ſchöpft' ihn freundlich
In die Gläſer und kredenzt' ihn.
Keiner ging leer aus, und luſtig
Zechend ſaß die Schar beim Feuer.
Dort auch ſtreckt' der Stadtſchulmeiſter
Sich im Gras. Der Schul' entrinnend
War auch er zum See geſchlichen.
Und er trug ein ſüß Geheimnis
In dem Herzen, denn er hatte
Mühſam heut ein Lied verfaßt.
Maiwein, Maiwein, Zaubertränklein!
Plötzlich glühten ſeine Wangen,
Und ſein Auge flammte leuchtend.
Auf den Felsblock ſprang er mutig
Und ſprach: „Aufgepaßt, ich ſing' eins.“
Lachend hörten ihn die andern,
Und jung Werner trat herzu, er
Stimmte die Trompete leis und
Blies ein präludierend Stücklein.
Dann erhob der Mann am Felsblock
Seine Stimm' und ſang mit Andacht.
Ihn begleitete jung Werner
Hell und fröhlich, und der Chorus
Sang den Rundreim, — hell und fröhlich
Klang im Tannenwald das
Mailied.
„Es kommt ein wunderſamer Knab'
Itzt durch die Welt gegangen,
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