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280 Der Trompeter von Sãcingen.
Rings der Bäume grüne Mauer,
Unten zieht die Welle flüſternd. 3260
Drinnen ſeit zwei Monden — welch ein
Fremd geheimnisvolles Treiben?
Farbentöpfe, borſt'ge Pinſel,
Kalk und Mörtel, Mauerkelle;
Hoch Gerüſte ragt gezimmert 3265
Zu des Pavillones Kuppel.
Iſt's die Werkſtatt ſchlimmer Geiſter?
„'s iſt nicht Werkſtatt ſchlimmer Geiſter,
Fresko wird allhier gemalt,
Und die Beine, die vom hohen 2270
Brettverſchlag herunternicken,
Sind das Eigentum des großen
Freskomalers Fludribus.“
Der, von Welſchland heimwärts kehrend,
Trieb ſich lang' ſchon hier am Rhein um, 325
Ihm gefiel das ſchmucke Ländlein,
Die rotwangigen Geſichter
Und im Faß der gute Wein.
Wie ein Zaubrer ward er ringsum
Von den Leuten angeſtaunt, 3280
Denn er ſprach von Wunderdingen.
War in ſeinen jungen Tagen
Nach Bologna einſt geraten,
Nach Bologna auf die Kunſtſchul'.
Dort, im Atelier Albanis', 3285
Bracht' er's bald zum Farbenreiber,
Und dem grazioſen Meiſter
Wußt' er's ſorgſam abzuſpicken,
Wie man Götter malt und Helden
Und die leichten Amoretten, 200
Za er wirkte ſelbſt an manchem
Kunſtwerk mit durch Luftvertreiben
Oder Bodenuntermalung.
1 Francesco Albani (1578—1660), aus der Bologneſer Kunſtſchule
der Caracci hervorgegangen, gewann beſonderen Ruhm durch ſeine an—
mutigen Nymphen und Amoretten.
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