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8. Das Konzert im Gartenpavillon. 281
Hier am Rhein — weit in die Rund' — war
Fludribus der einz'ge Künſtler;
Malte manchen Wirtshausſchild,
Malt' für Kirchen und Kapellen.
Porträtiert auch Bauernbräute;
Unbezweifelt ſtand ſein Ruhm da,
Denn ſo einer, ſcheelen Blickes,
An den Werken mäkeln wollte:
„Hier der Arm krumm, dort die Naſ' ſchief,
Hier ein ſehr geſchwoll'ner Backen“,
Dieſem warf er aus dem Vorrat
Seines theoret'ſchen Wiſſens
Solche Brocken an den Kopf, daß
Ihm vor lauter Perſpektive,
Kolorit und Farbengebung,
Modellierung und Verkürzung
Der Verſtand ſofort drin ſtillſtand.
Margareta, die in treuer
Liebe lang' drob nachgeſonnen,
Wie den Vater ſie am feinſten
Zum Geburtstag überraſche,
Sprach zum Meiſter Fludribus:
„Hab' ſchon viel gehört erzählen,
Wie in Frankreich man die Schlöſſer
Schön mit Wandgemälden ausſchmückt:
Schafft davon ein kleines Abbild
Mir in unſerm Pavillon.
Hier, der Welt entrückt, verſteh' ich
Nichts von Stoff und Anordnung,
Euch ſei alles überlaſſen,
Aber müßt im ſtillen ſchaffen,
Daß der alte Herr nichts wahrnimmt.“
Fludribus warf in die Bruſt ſich:
„Unſcheinbar zwar iſt der Auftrag,
Aber ich halt's mit dem Cäſar:
Lieber auf dem Dorf der erſte,
Als in Rom der zweite ſein.
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