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8. Das Konzert im Gartenpavillon. 289
Schmäht Euch nicht ein alter Kriegsmann.
Jetzo laßt uns eines zechen
Auf das Wohl des edlen Gaſtes,
Auf die tücht'gen Muſikanten,
Ja, mein'twegen auch aufs Wohl der
Göttinnen dort an den Wänden,
Daß der Winter hier am Rheine
Sie nicht in die Finger frier'!“
Margareta ließ die Männer
Jetzt allein, ſie ahnte, daß es
Etwas lärmend zugehn werde.
An der Schwelle reichte dankend
Dem Tronmpeter ſie die Rechte;
's wäre möglich, daß der Handdruck
Etwas inhaltsvoll geweſen,
Doch es fehlt an ſichrer Kunde:
Galt er nur dem Künſtler oder
Auch dem jungen Mann als ſolchem?
Becher ſchäumten, Gläſer klangen,
Es begann ein ſcharfes Trinken,
Und das Lied verſchweigt das Ende.
Schweigt von manchem ſpäten Heimweg,
Schweigt auch von dem jähen Tode,
Den in ſelber Nacht des Lehrers
Alter Hut im Rhein erlitt.
Doch um Mitternacht, als längſt der
Letzte Gaſt nach Haus geſchritten,
Flüſtern leiſe die Kaſtanien.
Spricht die ein': „O Wandgemälde!“
Spricht die andere: „O Klingklang!“
Spricht die ein': „Ich ſeh' die Zukunft,
Seh' zwei unbarmherz'ge Männer,
Seh' zwei große Anſtreichpinſel,
Seh' voll weißer Farb' den Kübel,
Und ſie decken ſchweigend eine
Fahle mitleidsloſe Tünch' auf
Götter, Helden, Fludribus.
Scheffel. II. 19
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