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Der Trompeter von Säckingen.
Heiter ſprach er zu jung Werner:
„Ihr entfaltet ja in Eurem
Kunſtberuf 'nen Feuereifer.
Wenn das ſo fortgeht, ſo können
Wir noch Wunderding' erleben;
Selbſt die Stalltür, die im Zugwind
Unmelodiſch knarrt und ſtöhnet,
Selbſt die Fröſch' im Wieſenteiche
Werden noch am End' von Eures
Blaſens Allgewalt bekehrt.“
Werner aber hielt hinfüro
Die Trompete für ein Kleinod,
Das der reichſte Baſler Kaufherr
Mit dem ſchwerſten Baſler Geldſack
Nicht vermöcht' ihm abzukaufen:
Hatten Margaretas Lippen
Ja die Strahlende berührt!
Zehntes Stück.
Jung Werner in der Erdmannshöhle.
Von dem Feldberg trägt ein wilder
Waldbach ſchäumend ſeine Fluten
Zu dem Rhein, — man heißt ihn Wehra.
In dem engen Tal dort ſteht ein
Einzler Tannbaum zwiſchen Felſen;
In den Äſten ſaß der hagre
Böſe Waldgeiſt Meyſenhartus'¹.
Der benahm ſich heut ſehr unfein.
Fletſchte ſeine ſcharfen Zähne,
Riß ſich einen Aſt vom Stamme
Und benagte einen Tannzapf,
Kletterte auch mehrmals unwirſch
Auf und nieder wie ein Eichhorn,
Rupfte einer braven Nachteul'
1 Vom „Meiſenhart Joggi“ gibt der Aufſatz „Aus dem Hauenſteiner
Schwarzwald“ (Bd. 4 dieſer Ausgabe) näheren Bericht.
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