Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 301
(PDF, 96 MB)
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4010

40¹⁵

10. Jung Werner in der Erdmannshöhle. 301

Gleich den Raupen, die ſich bald zu
Schmetterlingen umgeſtalten.
JFetzo wollt' er heimwärts kehren,
Doch der Waldgeiſt Meyſenhartus
Hüllt' in Staub den rechten Pfad ihm,
Und zerſtreuet ſchritt jung Werner,
Statt zum Rhein hinab, landeinwärts.
Lachend kletterte der Waldgeiſt
Wieder zu der Tanne Wipfel,
Schaukelte ſich in den Äſten,
„Den Mann hat's!“ ſo ſprach er höhnend.
Werner, nicht des Weges achtend,
Ging hinauf ins Tal von Haſel,
Und er kam an eine Bergwand.
Schattig kühl war dort die Stelle,
Stechpalm', Schleh' und Efeu rankten
Schmiegſam um den kahlen Fels ſich,
Seitwärts rieſelte die Quelle.

Durch die Büſche trat jung Werner,
Friſchen Trunk ſich dort zu ſchöpfen;
Zäh verwachſen war das Strauchwerk,
Und er trat mit feſtem Fuß auf:
Da ſchlug an ſein Ohr ein quiekend
Schriller Klaglaut, wie von einem
Maulwurf, der bei unterird'ſchem
Wühlen in der Schling' gefangen,
Jäh zum Taggslicht aufgeſchnellt wird.
Kniſternd hob ſich's aus dem Graſe.
Vor ihm ſtand ein graues Männlein,
Kaum drei Schuh hoch, etwas bucklig,
Aber zart von Antlitz, ſeine
Klugen AÄAuglein blitzten ſeltfam.
Sorgſam ließ er des Gewandes
Enden zu der Erde wallen
Und ſprach hinkend: „Herr, Ihr habt mich
Unſanft auf den Fuß getreten.“

Sprach jung Werner: „Das bedaur' ich.“


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