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Der Trompeter von Sãckingen.
Aber gern erſchließen wir euch
Einen Blick ins Unterird'ſche,
Und wir lieben insbeſondre
Die verfahrnen deutſchen Schüler,
Denn ſie haben gute Herzen,
Und ſie ſehen mehr als andre.
Ihr auch ſcheint ein ſolcher, folgt mir!
Hier im Tal iſt meine Höhle,
So Ihr Euch etwas zu bücken
Wißt, ſo ſchaff' ich Euch den Eingang.“
Sprach jung Werner: „Meinethalben!“
— Drauf bedächtig ſchob das Männlein
Einen Strauch zurück vom Felſen,
Und ein niedrer Gang ward ſichtbar:
„Für das Menſchenaug' iſt Licht hier
Nötig!“ ſprach der Erdmann, rieb zwei
Kieſel und entzündet' an den
Funken einen breiten Kienſpan,
Schritt voraus dann mit der Leuchte.
Werner folgte, ſorgſam mußt' er
Oft ſich bücken, oft ſchier kriechen,
Denn der Fels hing tief herab.
Aber bald erſchloß ein weiter
Höhlenraum am End' des Gangs ſich,
Rieſenhoch die Felſenwölbung:
Schlank gewundne Säulen ſenkten
Von der Decke ſich zum Boden,
An den Wänden rankt in buntem
Formenſpiel des grauen Tropfſteins
Geiſterhaftes Steingeweb',
Bald wie Tränen, die der Fels weint,
Bald wie reich verſchlungne Zierat
Rieſiger Korallenäſte.
Bläulich fahler unterird'ſcher
Farbenſchimmer füllt' die Räume,
Grell dazwiſchen auf der Steine
Kanten glänzt' das Kienſpanlicht,
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