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11. Der Hauenſteiner Rummel. 313
Alte Zeiten, gute Zeiten,
Freie Bauerſchaft im Walde:
So ihr ſie mit Spieß und Flinten
Sucht, werd't ihr ſie wiederfinden.
Amen jetzt! Ich hab' geſprochen.“
Wild Geſchrei ertönt' im Haufen.
„Der Mann ſagt's uns“, ſprach ein mancher
Und: „Zum Teufel mit der Herrſchaft!
Feuer in die Steuerliſten!
Die Herrn Schreiber ſollen ſehen,
Ob mit ihren LTintenfäſſern
Sie das Feu' rlein löſchen können!“
Sprach ein andrer: „Waldvogt, Waldvogt!
Haſt mich jüngſt in Turm geworfen,
Schmale Atzung, Brunnenwaſſer!
Glaub', du haſt auch Wein im Keller,
Wollen dieſen itzt verſuchen,
Waldvogt! wollen Rechnung halten!“
Rief ein dritter: „Gut Gewehr, das
Manchen Auerhahn ſchon birſchte,
Freu' dich jetzo auf die Hochjagd
Und triff gut, wir ſchießen balde
Nach dem ſchwarzen Doppelaar.“
Alſo ſummt' es durch den Haufen,
Und ſo wie zur Zeit der Seuche
All das gleiche Fieber anpackt,
So rumorte jetzt in aller
Herz ein böſer Bauernzorn.
Fruchtlos ſprach der vielerfahrne
Balthes dann von Willaringen:
„Wenn der Gaul am Schwanz gezäumt wird,
Kann der Mann nicht auf ihm reiten,
Wenn der Bauer mit Rumoren
Recht verlangt, geht's hinterfür ſtets,
Und zum Schluß bekommt er Prügel,
Drum heißt's ſchon ſeit langen Zeiten:
Seid der Obrigkeit gehorſam,
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