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Der Trompeter von Säckingen.
Und ich mein' —“ doch unfreiwillig
Schloß ſich hier die Friedensmahnung:
„Werft hinaus den alten Balthes!
Gott verdamm' ihn! Meint es treulos,
Will die Landesſach' verraten!“
Brüllt' es ringsum, Steine flogen,
Spieße drohten, mühſam deckten
Wenig Freunde ihm den Rückzug.
„Kurz und gut, was braucht's das Reden?“
Schrie der Bergalinger Fridli,
„Wer der Landſchaft alten Rechten
Treu bleibt und dafür ins Feld zieht,
Heb' die Hand auf!“ — und ſie hoben
Hurrarufend rings die Hände.
Waffenklirren, — Fahnenſchwenken, —
Kampfgeſchrei, — bald ſchlug die Trommel,
Und desſelben Tags noch zog der
Helle Haufen ab ins Rheintal,
Die Waldſtädte zu berennen.
Drauß im Forſt, vom Cannenaſte,
Sah der Waldgeiſt Meyſenhartus
Höhniſch auf den Bauernheerzug.
Sprach: „Glück auf die Reiſ, ihr Herren!
Euch brauch' ich nicht irr' zu führen,
Seid auf einem guten Holzweg!“
Boten reiten, Wächter blaſen,
Frauen jammern, Kinder ſchreien,
Durch das Tal ertönt' die Sturmglock'.
Bürger rennen durch die Gaſſen:
„Schließt das Tor! beſetzt die Mauer,
Schafft zum Turme die Kartaunen!“
Vom Balkone ſchaut der Freiherr,
Schaut, wie ſich's im Tannwald regte,
Wie von allen Bergespfaden
Dunkle Maſſen niederſtiegen.
„Träum' ich oder wach' ich?“ ſprach er,
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