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Der Trompeter von Säckingen.
Hier erkannt, doch wie Cellini
Von der Engelsburg zu Rom einſt
Frankreichs Konnetabel totſchoß':
So — auf leider ſchlechtre Feinde —
Kanoniert hier Fludribus!“
„Bringt ſie nur nicht all ums Leben!“
Sprach der Freiherr — „und verſchafft euch
Vorher Pulver auch und Kugeln.
Das Geſchütz, das ihr hier ſchleppt, wird
Schwerlich ſich von ſelber laden!“
Drauß, zum Rheinesufer, kam der
Bauern Schar jetzt; knurrend ſchauten
Sie des Städtleins hohe Mauern,
Sie das wohlverſchloßne Tor.
„Füchslein ſitzt in ſeinem Loche,
Füchslein hat den Bau verrammelt,
Bauer wird das Füchslein graben.“
Rief der Bergalinger Fridli:
„Vorwärts, will den Weg euch zeigen!“
Trommelwirbel ſchlug zum Sturme,
Schwere Hackenbüchſen krachten,
Durch den Pulverdampf, wild jauchzend,
Rannt' ein Trupp itzt gegen 's Tor hin.
In der Mauer Böſchung hatt' der
Freiherr rings des Städtleins Schützen
Wohl verteilt, und ſchweigend ſah er
Auf des wilden Haufens Anprall:
„Schad' iſt's“, dacht er, „für die gute
Kraft, die unnütz hier verendet!
's ließ aus dieſen Lümmeln ſich ein
Trefflich Regiment formieren.“
1 Benvenuto Cellini rühmt ſich im 7. Kapitel des 1. Buches ſeiner Lebens⸗
beſchreibung, die Goethe überſetzt hat, bei der Belagerung Roms im. Jahre
1527 durch einen Büchſenſchuß von der Mauer den Konnetabel Karl von
Bourbon, Vetter Franz' I. von Frankreich, getötet zu haben. Erſt dann begibt
er ſich nach der Engelsburg, von der er durch Kanonenſchüſſe den Prinzen
von Oranien getötet haben will.
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