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Der Trompeter von Säckingen.
Auf dem Dach des Gartenhäusleins,
Drin einſt Fludribus gemalet,
Saß der Kater Hiddigeigei.
Mit Befremden ſah der Biedre
In der Tiefe Spieße funkeln,
Sah, wie einer, mit den Zähnen
Seinen blanken Säbel haltend,
An der Mauer ſich emporſchwang,
Wie ein zweiter folgt und dritter.
Brummend ſprach drauf Hiddigeigei:
„'s wär' zwar billig, daß ein weiſer
Kater zu der Menſchen dummen
Streichen ſich neutral verhielte,
Doch ich haſſe dieſe Bauern,
Haſſe den Geruch des Kuhſtalls,
Deſſen Sieg der europä'ſchen
Bildung feine Atmoſphäre
Gänzlich ruinieren würde.
Seht euch vor, ihr Herren! ſeit am
Kapitolium der Gänſe
Warnruf in den Gallierſturm klang,
Nimmt das Tiervolk ſeinen ernſten
Anteil an der Weltgeſchichte. “*
Zornig richtet' er empor ſich,
Zornig krümmt' er ſeinen Buckel
Und erhob ein grauenhaftes
Ohrzerreißendes Miauen.
An dem Erkerturm vernahm den
Zeterſchrei der treue Anton,
Und er ſchaute unwillkürlich
Nach der Richtung: „Heil'ger Himmel,
Feind' im Garten!“ — ſein Signalſchuß
Rief des Schloſſes andre Hüter.
Werner kam, mit Blitzesſchnelle
Ordnet er die wen'gen Mannen:
„Hierher du — dort du — und feuert
Nicht zu früh!“ hoch wogt das Herz ihm:
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