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11. Der Hauenſteiner Rummel. 321
„Hei, mein Degen, halt dich brav!“
Untief war ums Schloß der Graben,
Schier vertrocknet, aus dem Schilf jetzt
Wuchs es auf wie Spieß und Schwerter.
Trotzige Geſtalten klettern
Am verwitterten Geſtein auf,
Büchſen knattern, Bolzen ziſchen,
Axthieb dröhnt an alte Pforte,
Angriff rings, Getöſ' und Schlachtſchrei:
„Herrenſchloß, bald biſt du unſer!“
Zwiſchendurch manch dumpfer Fall in
Waſſergraben, — blut'ge Wellen.
Hell am Tor klingt Werners Stimme:
„Brav ſo, Anton! — jetzt aufs Korn nimm
Links den Burſchen dort, den ſchwarzen,
Dieſen rechts beſorg' ich ſelbſt.
Feſt und drauf! — ſchon weicht der Haufe!“
Abgeſchlagen war der erſte
Angriff, blut'gen Kopfes zogen
Sich die Stürmer rückwärts in den
Schutz der mächtigen Kaſtanien.
Höhniſch ſchallt's zum Schloß hinauf:
„Schlechte Ritter, ſchlechte Knechte,
Sitzen hinter feſten Mauern,
Kommt zum ehrlichen Gefechte,
Wenn ihr Mut habt!“ — „Tod und Teufel!
Zugbrück' nieder!“ herrſchte Werner.
„Fällt die Wehre! Vorwärts! — Höhnen?!
In den Rhein jetzt mit den Hunden!“
Nieder raſſelte die Zugbrück'.
Allen vorwärts ſtürmte Werner
In den Haufen, überrannt' den
Burſchen, der den Weg gewieſen:
„Wenn der Degen ſtumpf iſt, Schurke,
Kommt's an dich, — dein harrt die Fauſt nur.“
Aus den Feinden ragt ein ſtarker
Kriegsmann, trotzig ſchaut' das Auge
Scheffel. II. 21
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