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Der Trompeter von Säckingen.
Aus verwettertem Geſicht vor.
's war ein alter Wallenſteiner,
Den der Spaß an Kriegshantierung
In der Bauern Reihen führte.
„Hier iſt Stahl zu beißen, Alter!“
Rief jung Werner, ſeine Klinge
Sauſte ſchneidig durch die Lüfte,
Doch des Kriegsmanns Helleparte
Fing den Hieb: „Nicht übel, Bürſchlein!
Hier die Antwort!“ — blutig träuften
Werners Locken; auf der Stirne
Klafft' der Streich der Helleparte,
Doch der ſie geſchwungen, führte
Keinen zweiten, — tief im Halſe,
Wo der Harniſch ihn nicht deckte,
Saß jung Werners Stahl; — er wankte
Noch drei Schritte — niederſank der
Arm ihm: „Leufel, ſchür'’ dein Feuer,
Haſt mich bald!“ Tot lag der Alte.
Werner, ſchirm' dein junges Leben!
Tobend ſtürzte ſich der Bauern
Haufen auf die wen'gen Männer,
An Kaſtanienſtamm gelehnet,
Matt noch mit dem Schwert ſich deckend,
Stand jung Werner, — um ihn hielten
Treu die Diener Widerpart.
Gnad' dir Gott! die Wunde brennet,
Aus der Fauſt entfällt der Degen,
Aug' umflort ſich — nach der blut'gen
Bruſt ſchon zuckt der Feindesſtahl.
Da — noch mag ſich alles wenden,
Fernher tönt, wie zur Attacke,
Ein Trompetenſtoß vom Schloſſe,
Dann ein Schuß — der ſtürzt — jetzt eine
Salve, — „Drauf!“ ſfo kommandiert der
Freiherr, und in wildem Flüchten
Stäubt zum Rhein der Bauernſchwarm.
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