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12. Zung Werner und Margareta. 323
Freu' dich, Werner — Freunde nahen,
Und mit ihnen Margareta!
Als der Kampf im Garten tobte,
Stieg ſie auf zum Schloßbalkone,
Und ſie blies — unwiſſend ſelber,
Was ſie wolle, — blies, als Notſchrei
Angſtgepreßter Seele, jenes
Schlachtſignal der Kaiſerlichen,
Das ſie tändelnd unter Scherzen
In der Laube einſt gelernt.
Es vernahm's des Freiherrn Mannſchaft,
Die vom Strauß am Tor zurückkam,
Und den Schritt beflügelnd bei der
Jungfrau Kampfruf, drangen jetzo
Zum Entſatz ſie in den Garten.
Frauenherz, du weiches, zages,
Ver hat alſo dich geſtählt? —
„Gott, er lebt!“ ſie neigte mild ſich
Zu ihm nieder, der auf grünem
Gras lag im Kaſtanienſchatten, L
Strich die blonden blut'gen Locken
Von der Stirn: „Haſt brav gefochten!“
Matt noch hob ſich Werners Auge,
Iſt's ein Traumbild, was es ſchauet?
Schloß ſich dann; — auf zwei Gewehren
Trug man ihn zum Herrenhaus.
Zwölftes Stück.
Jung Werner und Margareta.
In der Schloßkapelle brennt ein
Einſam flackernd Lampenlichtlein,
Leuchtet mild auf das Altarbild,
Drauß die Königin des Himmels
Enädiglich herniederſchaut.
Vor dem Bilde ſtehen friſche
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