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Der Trompeter von Säckingen.
Haftet drauf der Blick, er ſchaut nur
Dunkle, trübgeſpenſt'ge Bilder,
Ihnen fehlt des Tages Sonnlicht.
Unerquickt dann in die Ferne
Schweift der Geiſt des, dem der Schlaf fehlt,
Schmiedet Pläne, faßt Entſchlüſſe,
Baut ſich ſtolze, luft'ge Schlöſſer,
Doch wie Fledermäuſ und Eulen
Schwirrt um ſie der Schwarm der Zweifel
Und verſcheucht ihm Mut und Hoffnung.
Mitternacht ſchlug's auf der Turmuhr.
Ruhlos ſaß an ſeinem Lager
Werner in der Erkerſtube.
Durch die Fenſter glänzt in feinem,
Schmalem Streif der Mondesſchimmer,
Fernher rauſcht des Rheines Flut.
Traumgeſtalten wogten vor den
Wachen Blicken auf und nieder.
Einmal war's ihm, 's wäre Sonntag,
Glockenläuten, Pferdewiehern,
Schwarzwaldaufwärts zieht ein Brautzug.
Er voraus in ſtolzem Feſtſchmuck,
Ihm zur Seite Margareta,
Myrtenkranz in blonden Locken.
Und im Dörflein oben lauter
Hochzeitsjubel, Pfad und Gaſſen
Sind mit Blumen überſtreut.
Im Ornate ſteht ſein alter
Pfarrherr an der Kirchenpforte,
Segnend winkt er einzutreten —
Doch das Bild kam nicht zum Schluſſe,
Die Gedanken ſchwenkten; — 's war ihm
Drauf, als klopft' es an die Türe,
Und herein trat krummen Gangs ſein
Heidelberger Freund Perkẽèo.
Funkelnd durch der Stube Dunkel
Leuchtete die rote Naſe,
Und er ſprach mit heiſ'rer Stimme:
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