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Der Tromnpeter von Säckingen.
Dämmerung des frühen Morgens.
„Schäme dich, verzagtes Herze,
Ja, ich werbe!“ rief jung Werner.
Bei dem Morgenimbiß ſaß der
Freiherr, einen Brief ſtudierend,
Der ihm tags zuvor gebracht war.
Weit aus Schwaben kam der Bote,
Von der Donau, wo in engem
Tal der junge Strom einherfließt.
Schroffe Kalkſteinwände ragen
In die Flut, mit ihnen ſpiegelt
Drin des Buchwalds lichtes Grün ſich,
Dorther kam der Mann geritten.
Doch im Briefe ſtand geſchrieben:
„Alter Kriegsfreund, denkt Ihr auch noch
An den Hans vom Wildenſtein?
's iſt ſchon mancher Tropfen Waſſer
Rhein- und donauab gefloſſen,
Seit wir drauß in der Campagne
An dem Beiwachtfeuer lagen;
Und ich merk's an meinen Buben.
Hab' juſt jetzt ſo einen Bengel,
Vierundzwanzig Fahre zählt' er,
Page war er an des Herzogs
Hof in Stuttgart, nachher ſchickt' ich
Ihn nach Tübingen zur Hochſchul'.
Wenn ich nach den Schulden rechne,
Die ich für ihn zahlen mußte,
Hat er vieles dort gelernt.
Jetzo ſitzt er bei mir auf dem
Wildenſtein und pürſcht den Damhirſch,
Pürſcht den Fuchs und pürſcht den Haſen.
Doch mitunter jagt der Schlingel
Auch nach ſchmucken Bauerntöchtern,
Und 's wär' Zeit, ihn balde durch das
Joch der Ehe zahm zu machen.
Irr' ich nicht, ſo habt Ihr juſt ein
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