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Der Trompeter von Säckingen.
Seit ſie mit dem Kaiſer Rotbart
In das Heil'ge Land gezogen.
Mag's der Junker denn probieren!“
Jetzt zum Freiherrn trat jung Werner
Ernſten Gangs, im ſchwarzen Feſtkleid,
Schwermut auf dem blaſſen Antlitz.
Scherzend rief ihm der entgegen:
„Wollt Euch juſt zu mir beſcheiden,
Euch erſuchen, daß Ihr Eure
Feder ſpitzt und als mein treuer
Sekretarius einen Brief ſchreibt,
Einen Brief gewicht'gen Inhalts.
's frägt im Schwabenland ein Ritter
Nach dem Fräulein, meiner Tochter,
Freit auch unverblümt um ſie für
Seinen Sohn, den Funker Damian.
Schreibt ihm denn, wie Margareta
Groß und ſchön itzt in die Welt ſchaut,
Wie ſie — doch Ihr wißt das alles,
Denkt, Ihr ſeid ein Maler, malt ihm
Schwarz auf weiß ein leibhaft treues
Kontrafei, vergeßt kein Pünktlein.
Schreibt ihm ferner auch, ich hätte
Nichts dagegen einzuwenden,
Wenn der Junge ſeinen Klepper
Satteln wollt' und ſelber kommen.“ —
„Satteln wollt' und ſelber kommen“ —
Sprach jung Werner wie im Traume
Vor ſich hin, und brummig ſprach der
Freiherr: „Doch was iſt, Ihr tragt ja
Ein Geſicht mit Euch herum als
Wie ein proteſtant'ſcher Pred'ger
Am Karfreitag; — iſt das Fieber
Wieder über Euch gekommen?“
Ernſt erwidert ihm jung Werner:
„Herr, den Brief werd' ich nicht ſchreiben,
Sucht Euch eine andre Feder,
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