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Der Trompeter von Säckingen.
— Abſchied, Abſchied, böſe Stunde!
Wer hat dich zuerſt erſonnen?
Sicher war's ein böſer Mann am
Fernen Eismeer; frierend blies der
Nordpolwind ihm um die Naſe,
Zottig eiferſüchtig Ehweib
Plagte ihn, — es ſchmeckte nimmer
Ihm des Walfiſchs ſüßer Tran.
Übers Haupt zog er ein gelbes
Seehundsfell, und mit dem Stock in
Pelzhandſchuhgeſchützter Rechte
Seiner YBlaleyka winkend,
Sprach zuerſt das rauhe Wort er:
„Lebe wohl, ich nehme Abſchied!“
Abſchied, Abſchied, böſe Stunde!
In der Erkerſtube ſchnürte
Werner ſeine ſieben Sachen, L
Schnürt den leichten Reiſebündel;
Grüßt zum letztenmal des Stübchens
Weiße Wände, 's war ihm ſchier, als
Wären's alte gute Freunde.
Nur bei ihnen nahm er Abſchied,
Margaretas Augen hätt' er
Nimmermehr begegnen mögen.
Drauf zum Schloßhof ſtieg er nieder,
Sattelte ſein treues Rößlein, —
Hufſchlag dann; es ritt ein trüber
Reiter aus des Schloſſes Frieden.
In der Niederung am Rheine
Steht ein Nußbaum, dort noch einmal
Hielt er an mit ſeinem Roß.
Nahm noch einmal die Trompete;
Aus gepreßter Seele klang ſein
Abſchiedsgruß zum Schloß hinüber.
Klang — kennt ihr das Lied des Schwanen,
Der, im Herz die Todesahnung,
Einmal noch zum See hinausſchwimmt?
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