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14. Das Büchlein der Lieder: Lieder jung Werners. 343
Durch die Roſen, durch die weißen
Waſſerlilien tönt die Klage:
„Schöne Welt, ich muß dich laſſen,
Schöne Welt, wie ſterb' ich ungern!“
Alſo blies er; — war's die Träne,
Die auf der Trompete glänzte,
Oder war's ein Regentropfen?
Vorwärts jetzt; die ſcharfen Sporen
Preßt' er in des Roſſes Weichen,
Und in ſauſendem Galoppe
Flog er um den Waldesrand.
Vierzehntes Stück.
Das Büchlein der Lieder.
Werner ritt hinaus ins Weite,
Margareta blieb in Trauern,
Bis ſich beide wiederfinden,
Wird's wohl ein paar FJahre dauern.
Doch, derweil ich keine ſchroffen
Sprüng' zu machen bin gewillt,
Sei mit buntem Liederſtrauße
Dieſe Lücke ausgefüllt.
Lieder jung Werners.
1
Als ich zum erſtenmal dich ſah,
Verſtummten meine Worte,
Es löſte all mein Denken ſich
In ſchwellende Akkorde.
Drum ſteh' ich arm Trompeterlein
Muſizierend auf dem Raſen,
Kann dir nicht ſagen, was ich will,
Kann meine Lieb' nur blaſen.
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