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14. Das Büchlein der Lieder: Lieder jung Werners. 345
Die Waſſerfrau im tiefen Grund
Hört Sturm und Töne rauſchen,
Sie ſteigt herauf, neugierig will
Die Klänge ſie erlauſchen.
Und als ſie wieder hinabgetaucht,
Erzählt ſie den Fiſchen mit Lachen:
„O Rheineskinder, man erlebt
Doch ſonderbarliche Sachen.
„Sitzt oben einer im Regenſturm;
Was glaubt ihr, daß er triebe?
— Bläſt immerzu dasſelbe Lied,
Das Lied von ſeiner Liebe.“
V.
Frau Muſika, o habet Dank
Und ſeid mir hoch geprieſen,
Daß Ihr in Sang und Spielmannskunſt
Mich löblich unterwieſen.
Die Sprache iſt ein edel Ding,
Doch hat ſie ihre Schranken; G
Ich glaub', noch immer fehlt's am Wort
Für die feinſten und tiefſten Gedanken.
Schad't nichts, wenn auch ob dem und dem
Die Reden all verſtummen,
Es hebt ſich dann im Herzensgrund
Ein wunderbares Summen.
Es ſummt und brummt, es tönt und weht,
Schier wird's dem Herz zu enge,
Bis daß vollendet draus entſchwebt
Der Geiſterſchwarm der Klänge.
Und vor der Liebſten ſtänd' ich oft
Als wie der dümmſte Geſelle,
Hätt' ich nicht gleich ein friſches Lied
Und die Trompet' zur Stelle.
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