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Der Trompeter von Säckingen.
Drum habet Dank, Frau Muſika,
Und ſeid mir hoch geprieſen,
Daß Ihr in Sang und Spielmannskunſt
Mich löblich unterwieſen.
VI.
Die Raben und die Lerchen
Sind gar verſchiedner Art,
Ich kann mein' Freud' nicht bergen,
Daß ich kein Schreiber ward.
Die Welt iſt nicht von Leder,
Im Tannwald wächſt kein Stroh,
Als luſtiger Trompeter
Blaſ' ich halli, hallo!
Das jubelt, ſchallt und lärmet,
Das iſt ein hell' Getön:
Wer ſich des Klanges härmet,
Der mag ins Kloſter gehn.
Und regnet's einmal Tinte,
Und ſchneit's mit Streuſand drein,
Dann reut mich meine Sünde,
Dann laſſ' ich 's Blaſen ſein.
VII.
Wo an der Brück' die Woge ſchäumt,
Da ſchwamm die Frau Forelle,
Sie ſchwamm zum Vetter Lachs hinab:
„Wie geht's Euch, Stromgeſelle?“ —
„'s geht gut“, ſprach er, „doch denk' ich g'rad:
Wenn nur das Donnerwetter
Erſchlüg' den Muſikanten, den
Gelbſchnäbligen Trompeter!
„Den ganzen Tag am Ufer geht
Der junge Herr ſpazieren;
Rheinab, rheinauf hört nimmer auf
Sein leidig Muſizieren.“
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