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14. Das Büchlein der Lieder: Lieder jung Werners. 347
Vergnügt die Frau Forelle ſagt:
„Herr Vetter, Ihr ſeid grobe!
Erlaubt, daß ich im Gegenteil
Den Herrn Trompeter lobe:
„Wär' Euch, wie dem, in Lieb' geneigt
Die ſchöne Margareta,
Ihr lerntet in alten Tagen noch
Höchſtſelber die Trompeta!“
VIII.
O wolle nicht den Roſenſtrauß
Huldvoll als Gruß mir reichen,
Ein immergrünes Stechpalmreis
Sei unſrer Lieb' das Zeichen.
Der Blätter Kranz in ſtillem Glanz
Die reifende Frucht beſchützet,
Und fremde Hand, die ohn' Verſtand
Dran taſtet, wird geritzet.
Die Roſe prangt, doch kommt der Herbſt,
Steht ſie verwelkt und trauert,
Des Stechpalmblatts beſcheiden Grün
Den Winter überdauert.
IX.
Lind duftig hält die Maiennacht
Jetzt Berg und Tal umfangen,
Da komm' ich durch die Büſche ſacht
Zum Herrenſchloß gegangen.
Im Garten rauſcht der Lindenbaum,
Ich ſteig' in ſeine Äſte
Und ſinge aus dem grünen Raum
Hinauf zur hohen Feſte:
„Jung Werner iſt der glückſeligſte Mann
Im Römiſchen Reich geworden,
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