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Der Trompeter von Säckingen.
Und ſie kennt des Alten Stimme,
Und ſie zittert, und ſie weiß:
Fürchterlich in ſeinem Grimme
Iſt der Katerheldengreis.
III.
Von des Turmes höchſter Spitze
Schau' ich in die Welt herein,
Schaue auf erhabnem Sitze
In das Treiben der Partei'n.
Und die Katzenaugen ſehen,
Und die Katzenſeele lacht,
Wie das Völklein der Pygmäen
Unten dumme Sachen macht.
Doch was nützt's? ich kann den Haufen
Nicht auf meinen Standpunkt ziehn,
Und ſo laſſ' ich ihn denn laufen,
's iſt wahrhaft nicht ſchad' um ihn.
Menſchentun iſt ein Verkehrtes,
X— Menſchentun iſt Ach und Krach;
NIm Bewußtſein ſeines Wertes
Sitzt der Kater auf dem Dach! —
IV.
O die Menſchen tun uns unrecht,
Und den Dank ſuch' ich vergebens,
Sie verkennen ganz die feinern
Saiten unſres Katzenlebens.
Und wenn einer ſchwer und ſchwankend
Niederfällt in ſeiner Kammer,
Und ihn morgens Kopfweh quälet,
Nennt er's einen Katzenjammer.
Katzenjammer, o Fnjurie!
Wir miauen zart im ſtillen,
Nur die Menſchen hör' ich oftmals
Graunhaft durch die Straßen brüllen.
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