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14. Das Büchlein der Lieder: Lieder des ſtillen Mannes. 359
Lieder des ſtillen Mannes.
Aus der Erdmännlein-Höhle.
I.
Einſam wandle deine Bahnen,
Stilles Herz, und unverzagt!
Viel erkennen, vieles ahnen
Wirſt du, was dir keiner ſagt.
boz5 Wo in ſtürmiſchem Gedränge
B Kleines Volk um Kleines ſchreit,
Da erlauſcheſt du Geſänge,
Siehſt die Welt du groß und weit.
L Andern laß den Staub der Straße
6040 Deinen Geiſt halt' friſch und blank,
Spiegel ſei er, wie die Meerflut,
Drein die Sonne niederſank.
Einſam aus des Tages Lärmen
Adler in die Höhen ſchweift,
0os Storch und Kranich fliegt in Schwärmen,
Doch ihr Flug die Erde ſtreift.
Einſam wandle deine Bahnen,
Stilles Herz, und unverzagt!
Viel erkennen, vieles ahnen
6050 Wirſt du, was dir keiner ſagt.
II.
Laß die breitgetretnen Plätze,
Steig nach unten, klimm nach oben;
Reiche Nibelungenſchätze
Liegen rings noch ungehoben,
boss Und du ſchauſt vom Grat der Berge
Fernes Meer und Ufer dämmern,
Hörſt tief unten der Gezwerge
Erdgewaltig dumpfes Hämmern.
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