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362 Der Trompeter von Säckingen.
Nun freut mich mein alt Gewaffen nicht mehr,
Verſpinnwebt liegt's in der Ecken;
Doch ſoll drum kein hochweiſer Herr 6125
Als wehrloſen Mann mich necken:
Noch reicht ein Blick, das Eulenpack
Und die Fledermäuß zu verjagen,
Noch reicht ein alter Eſelskinnback,
Den Philiſterſchwarm zu erſchlagen! 6150
VI.
Aus deinem Auge wiſch die Trän',
Sei ſtolz und laß die Klage;
Wie dir wird's manchem noch ergehn
Bis an das End' der Tage.
Noch manch ein Rätſel ungelöſt 65
Ragt in die Welt von heute,
Doch iſt dein ſterblich Teil verweſt,
So kommen andre Leute.
Die Falten um die Stirne dein
Laß ſie nur heiter ranken; 6140
Das ſind die Narben, die darein
Geſchlagen die Gedanken.
Und wird dir auch kein Lorbeerreis
Als Schmuck darum geflochten:
Auch der ſei ſtolz, der ſonder Preis 6145
Des Denkens Kampf gefochten!
Aus den Liedern Margaretas.
I.
Wie ſtolz und ſtattlich geht er!
Wie adlig iſt ſein Mut!
Er iſt nur ein Trompeter,
Und doch bin ich ihm gut. 6150
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