http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0366
366
Der Trompeter von Säckingen.
Die Sommernacht hat mir's angetan,
Das iſt ein ſchweigſames Reiten,
Die Nachtigall ſchlägt aus dem Myrtengeſträuch,
Sie ſchlägt ſo ſchmelzend, ſie ſchlägt ſo weich,
Als ſäng' ſie verklungene Leiden.
Die Sommernacht hat mir's angetan,
Das iſt ein ſchweigſames Reiten,
Das Meer geht wild, das Meer geht hoch;
Was braucht's der verlorenen Tränen noch,
Die dem ſtillen Reiter entgleiten?
IV.
Sonne taucht in Meeresfluten,
Himmel blitzt in letzten Gluten,
Langſam will der Tag verſcheiden,
Ferne Abendglocken läuten —
Dein gedenk' ich, Margareta.
Haupt gelehnt auf Felſens Kante,
Fremder Mann in fremdem Lande,
Um den Fuß die Wellen ſchäumen,
Durch die Seele zieht ein Träumen —
Dein gedenk' ich, Margareta.
V.
O Römerin, was ſchaueſt du
Zu mir mit ſengenden Blicken?
Dein Aug' iſt ſchön, doch nimmer wird's
Den fremden Mann berücken.
Jenſeits der Alpen ſteht ein Grab,
Gegraben am grünen Rheine,
Drei wilde Roſen blühen drauf,
Seine Liebe liegt dareine.
O Römerin, was ſchaueſt du
Zu mir mit ſengenden Blicken?
Dein Aug' iſt ſchön, doch nimmer wird's
Den fremden Mann berücken.
6240
6245
6255
626⁰
6265
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0366