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Der Trompeter von Säckingen.
VIII.
Das drängt und jubelt, ſingt und klingt
Durch Roms verwitterte Straßen,
Die Narrheit hoch die Fahne ſchwingt,
Die Maskenſchwärme raſen.
Den Korſo auf und nieder jagt
Die leichte Schar der Wagen,
Da wird die große Blumenſchlacht
Des Karnevals geſchlagen.
Mit Roſ' und Veilchen wird ſcharmützt,
Hei! wie die Sträuße fliegen!
Der traf — Glück zu! ihr Auge blitzt, —
Wirf weiter — du wirſt ſiegen!
Auch du, mein Herz, ſei freudig heut,
Vergiß, was du gelitten,
Laß alte Zeit und altes Leid
Von Blumen überſchütten!
IX.
Am grünen See von Nemi
Ein alter Ahorn ſteht,
Durch die laubſchweren Wipfel
Ein traurig Flüſtern geht.
Am grünen See von Nemi
Ein junger Spielmann ſitzt,
Er ſummt ein Lied, derweil ihm
Die Trän' im Auge blitzt.
Am grünen See von Nemi
Die Flut zieht leis und ſtill:
Der Ahorn und der Spielmann,
Weiß keiner, was er will.
Am grünen See von Nemi
Iſt die allerfeinſte Schenk',
— Preiswürd'ge Makkaroni,
Preiswürdigſtes Getränk.
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