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370 Der Trompeter von Säckingen.
Wohin auch die unſtäte Fahrt mich trieb,
Die ſtille, holdſelige Schwarzwaldlieb'
Bleibt doch das Schönſte auf Erden.
O Ponte molle, — wie war ſie ſchön! 37
Und müßt' ich viel tauſend Fräulein noch ſehn,
Ich prieſe doch ſtets nur die eine.
Und käme ſie jetzo des Wegs vorbei,
Dir ſelbſt, du ſolides Quadergebäu,
Durchzuckte es Mark und Gebeine. 6N⸗
Doch vergeblich die Sehnſucht, vergeblich das Leid,
Die Sonn' iſt zu glühend, der Weg zu weit
Und das Fliegen noch nicht erfunden.
Padrone, noch eine Flaſche herein!
Der perlenreiche Orvietowein 6z8.
Mag auch dem Traurigen munden.
O Ponte molle, du treffliche Bruck,
Ich glaube, du lohneſt mit böſem Spuk,
Daß ich mich in Träume verloren!
Es wirbelt ein Staub an der Heerſtraß' auf;
Jetzt ſperrt mir ein Ochſen- und Büffelhauf'
Den Heimweg zu Romas Toren!
8
XII.
. (Monte testaccio“¹.)
Ich weiß nicht, was da noch werden ſoll?
Schon dämmert's im feuchten Grunde,
Die Fledermaus macht ahnungsvoll 6500
Um den alten Stadtwall die Runde,
Am Scherbenberg wird's öd und ſtill,
Ich glaub', die alte Wirtin will
Bereits die Schenke verſchließen.
Ein Käuzlein hör' ich drüben ſchrei'n, bahs
Wo die Grabzypreſſen trauern,
Campagnanebel ziehen herein,
1 Monte Teſtaccio (Scherbenberg) im Südweſten Roms, nicht weit
von der Ppyramide des Ceſtius.
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