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Der Trompeter von Säckingen.
XIV.
Im Dienſt — im Dienſt! o ſchlimmes Wort,
Das klingt ſo ſtarr und froſtig;
Die Lieb' iſt hin, der Lenz iſt fort,
Mein Herz, werd' mir nicht roſtig.
Trompete ſieht mich traurig an,
Mit Flor iſt ſie umhangen;
Sie haben den luſtigen Fiedelmann
In Käfig eingefangen.
Die ſchwere Zeit, die ſchwere Not
Sank laſtend auf ihn nieder,
Muß ſpielen um ſein täglich Brot —
Verſtummt ſind ſeine Lieder.
Der einſt, die Zither leicht im Arm,
Sang an des Rheines Welle,
Schlägt jetzt den Takt, — daß Gott erbarm!
In der Siſtin'ſchen Kapelle.
Fünfzehntes Stück.
Ein Wiederſehen in Nom.
Sengend lag die Glut des Sommers
Über Rom, der alten Weltſtadt;
Träge wälzt' der Tibris ſeine
Blonden Wellen; wälzt' ſie mehr aus
Pflichterfüllung, weil es einmal
Sein Beruf als Strom ſo mitbringt,
Als aus innerm Triebe durch die
Zitternd heiße Luft dem Meer zu.
Unten tief im Wellengrunde
Saß der Alte, und er brummte:
„O wie langſam ſpinnt die Zeit ſich!
Ich bin müd, wann kommt das Ende
Dieſes monotonen Treibens?
Wannen wird die Meeresſturmflut
Dieſes Stücklein Erd' verſchlingen
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