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15. Ein Wiederſehen in Rom. 373
Und die Bäche und die Flüſſe,
Und auch mich, den Stromesalten,
Insgeſamt zum all und einz'gen
Weltenwaſſer in ſich faſſen?
Selbſt die Mauern dieſer Roma
Zu beſpülen macht mir Langweil',
Und was frommt's, daß man den Boden
Und mich ſelber klaſſiſch nennt?
Hingeſchwunden, Staub und Aſche
Sind die heitern Römerſänger,
Die, den Lorbeer auf dem Haupte
Und den Rhythmus tief im Herzen,
Einſtens meinen Ruhm geſungen;
Andre kamen, und ſie gingen
Wie die erſten, und ſo wird's noch
Lang' dasſelbe Schattenſpiel ſein.
's gilt mir gleich; doch wer berechtigt
Die da droben, mich zu ſtören?
O was haben dieſe Menſchen
Schon in meine ſtillen Tiefen
Rückſichtslos hinabgeſchleudert!
Wo mir ſonſt mit heil'gem Schilfe
Einen Pfühl für die Sieſta
Meine Nymphen hergerichtet,
Allda liegt nur Schutt und Trümmer:
Römerhelme, Gallierſchwerter,
Alt-Etruriſch Prachtgeräte
Und die ſchönen Marmorbilder,
Die vom Grabmal Hadriani
Einſt auf ſchwere Gotenſchädel
Niederkrachten', — ſamt den Knochen
Der Verteid'ger und der Stürmer,
Gleich als wär' mein Strombeet eine
Welthiſtor'ſche Rumpelkammer.
O wie bin ich ſatt und müde;
Alte Welt, wann kommt das Ende?“
1 Bei der vergeblichen Belagerung Roms durch Witigis im JFahre 537
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