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Der Trompeter von Säckingen.
— Während ſo der biedre Tibris
Seinem Groll in mißzufriednem
Räſonieren ein'ge Luft macht',
Wogte oben buntes Leben,
Und im Feierkleide zog die
Menge nach dem Vatikan.
Kaum war auf der Engelsbrücke
Raum für alle; drängend kamen
Die Signori in dem ſpan'ſchen
Mantel mit Perück' und Degen,
Schwarze Franziskanermönche
Mit den braunen Kapuzinern,
Röm'ſche Bürger, — da und dort ein
Sonnverbrannter wilder Hirte
Der Campagna, mit antikem
Stolz die Lumpen umgeſchlagen,
Und dazwiſchen, leichten Ganges,
Wandelten die Töchter Romas
Schwarzverſchleiert, doch der Schleier
Hemmt nicht ihre kecken Blicke.
(O was iſt die Glut der Sonne,
Wär' ſie auch von kund'gem Meiſter
Im Brennſpiegel aufgefangen,
Gegen dieſe röm'ſchen Blicke?
Schweig, du mein verſengtes Herz!)
Von der Engelsburg hernieder
Flattern wallend die Standarten
Mit den päpſtlichen Inſignien,
Mitra und gekreuzten Schlüſſeln,
Kündend, daß heut hoher Feſttag
Des Apoſtelfürſten Petrus.
Vor Sankt Peters ſtolzem Dome
Sprangen ſchäumend die Fontänen,
Regenbogenfarben ſprühten
Über den granitnen Schalen,
¹ Her Hauptverbindung nach dem vatikaniſchen Stadtteil.
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