http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0376
376 Der Trompeter von Säckingen.
Wie zu Straßburg auf der Schanze,
Bei des Alphorns leiſem Blaſen 6s
Heimwärts, heimwärts in die Berge.
Gerne würd' ich alles miſſen:
Handgeld, Sold, die Silberſkudi,
Selbſt des Heil'gen Vaters Segen,
Selbſt den Wein von Orvieto, 6s75
Der ſo ſüß im Humpen perlt,
Könnt' ich wieder am Pilatus
Durch Lawinenſturz und Felſen
Auf des Gamstiers flücht'ger Fährte
Als verwegner Weidmann ziehn, 6680
Oder leis im Schein des Mondes
Über würz'ge Alpenmatten
Schleichen nach der Sennhütt' Lichtlein,
Zu der Sennin, zu der blonden
Appenzeller Kunigundis, 6685
Und hernach der Morgenſonne
Freudig laut entgegenjodeln.
„O Sankt Peter! auch die feine
Kirchenmuſika vergäß' ich,
Hört' ich wieder den bekannten 65⁰
Einſam ſchrillen Höhlenpfiff des
Heimatlichen Murmeltiers!“
Auf Sankt Peters hohen Stufen
Standen dicht gedrängt die jüngern
Elegantern Pflaſtertreter, 6sos
Muſt'rung haltend über all die
Wagen und die Staatskaroſſen,
Die jetzt angefahren kamen.
„Seht ihr dort die Eminenza
Mit dem Vollmondsangeſichte, 6600
Mit dem Doppelkinn, — ſie ſtützt ſich
Auf den galonnierten Diener?
's iſt der Kardinal Borgheſe'.
1 Scipio Borgheſe, Neffe Papſt Pauls V., Erbauer der bekannten
Villa Borgheſe. Zum folgenden vgl. den „Abſchied von Olevano“ im
„Gaudeamus“, Band 1 dieſer Ausgabe, S. 85.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0376