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15. Ein Wiederſehen in Rom. 37
Der ſäß' heut wohl lieber in der
Stille der Sabinerberge
Auf der luft'gen Villa, bei der
Ländlich ſchönen Donna Baldi.
's iſt ein feiner Herr, er liebt die
Klaſſiker, und insbeſondre
Liebt er das Bukoliſche.“ —
„Wer iſt doch“, ſo fragt ein andrer,
„Dort der impoſante Herre,
Seht ihr nicht? es hängt die güldne
Ehrenkette auf der Bruſt ihm,
Und er ſchüttelt die Perücke
Wie ein Zeus Olympikus?“ —
„Was? Ihr kennt ihn nicht?“ erwidert
Drauf geſchwätzig ihm ein dritter,
„Ihn, den Kavalier Bernini?
Der das Pantheon verbeſſert,
Der der Peterskirche erſt die
Rechte ſtolze Form gegeben
Und das güldne Tabernakel
Überm Grab des Heil'gen — 's koſtet
Mehr als hunderttauſend Skudi?
Zieht den Hut ab, ſeit die Welt ſteht,
Sah ſie keinen größern Meiſter,
Sah ſie — —“ doch dem Redner klopft ein
Mann mit grauem Knebelbarte
Auf die Schulter, höhniſch ſprach er:
„Herr, Ihr irrt Euch, ſeit die Welt ſteht,
Sah ſie keinen größern Pfuſcher!
Das ſag' ich, Salvator Roſaa!“
Wagen raſſeln, voraus reiten
1 Giovanni Lorenzo Bernini (1598—1680), der Hauptmeiſter des
italieniſchen Barocks. Er hat dem Pantheon 1626 zwei Türme angebaut (die
„Eſelsohren Berninis“), die 1882 wieder abgebrochen wurden, wie der Turm,
den er Sankt Peter angebaut hatte, noch zu ſeinen Lebzeiten wieder nieder⸗
gelegt wurde. Nach ſeinern Entwurfe wurde 1633 das gewaltige vergoldete
Bronzetabernakel über dem Hochaltar von Sankt Peter errichtet. — ² Der
Maler Salvatore Roſa (16158 — 73) war ſo berühmt durch ſeine Kunſt wie
durch ſeinen beißenden Witz, der auch den mächtigen Bernini nicht verſchonte.
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