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Der Trompeter von Säckingen.
Und teilnehmend ſprach zum Freiherrn
Drauf die alte Fürſtabtiſſin:
„Euer Kind gedeiht nicht mehr auf
Unſerm Boden, langſam welkt das
Arme Herz in ſeinem Kummer.
Heilſam iſt 'ne Luftveränd'rung,
Laßt mit mir drum Margareta
Nach Italien; muß ich doch in
Alten Tagen noch nach Rom gehn.
Denn in Chur der böſe Biſchof
Droht des Stiftes ſchönſte Güter
In der Schweiz an ſich zu ziehn,
Und ich werd' ihn jetzt verklagen,
Werd' dem Heil'gen Vater ſagen:
‚Seid mir gnädig und beſtraft den
Groben Biſchof von Graubünden.““
Sprach der Freiherr: „Nehmt ſie denn, und
Geb' der Himmel ſeinen Segen,
Daß Ihr mir mit roten Wangen
Und vergnügt mein Kind nach Haus bringt.“
Alſo fuhren ſie nach Welſchland,
Es kutſchiert' der treue Anton.
Jetzo öffnet' er des Wagens
Schlag, und nach der Peterskirche
Schritt die alte Fürſtabtiſſin,
Ihr zur Seite Margareta.
Staunend ſchaute ſie die Pracht der
Ungeheuern Räume, drin die
Menſchen klein wie Punkte ausſehn,
Schaut die rieſ'gen Marmorpfeiler
Und die goldgeſchmückte Kuppel.
In des Mittelſchiffes Niſche
Steht Sankt Peters ehrne Bildſäul'.
Dieſe trug heut einen ganzen
Papſtornat, es ſchmiegte ſchwer der
Schwere Goldſtoff um das Erz ſich,
Auf dem Haupte ſaß die Mitra.
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