Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 385
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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16. Löſung und Ende. 385

Den ſie einſt vor Fahren liebte,
Und an dem — merkwürd'gerweiſe —
Sie noch bis zum heut'gen Tag hängt,
Unerachtet und obgleich er
Sonder Ahnen, ſonder Stammbaum
Hoffnungslos einſt Abſchied nahm.
Und der Ohnmacht unfreiwill'ger
Anlaß iſt, — merkwürd'gerweiſe —
Signor Werner, Eurer Eignen
Heiligkeit Kapellenmeiſter.
Alſo hat's dem Monſignor, der
Die Abtiſſin heut beſuchte,
Dieſe ſelbſt unter dem Siegel
Tiefen Schweigens anvertraut.“
Sprach der Papſt: „Das iſt ja wahrhaft
Eine rührende Begegnung.
Wär' der Stoff nicht zu modern und
Handelte ſich's nicht um deutſche
Halbbarbar'n, ſo dürfte einer
Aus der Herrn Arkadier ſüßem
Dichterhaine' Lorbeern ernten,
Säng' er dieſes Wiederſehn.
„Doch ich nehme wirklich Anteil
An dem ernſten Signor Werner.
Trefflich hält er die Kapelle
Mir in Ordnung und verbreitet
Sinn für ernſte ſtrenge Weiſen,
Während meine Italiener
Sich ſo gerne am leichtfert'gen
Operntonſpektakel freun.
„Schweigſam liegt er ſeinem Dienſt ob,
Spricht kein Wort aus freien Stücken,
Bat noch nie um eine SEnade,
Nie auch hält die Hand er offen
Für die Gaben der Beſtechung,

1 Die Dichterakademie der Arkadier in Rom wurde freilich erſt 1690
gegründet. Sie iſt bekannt aus Goethes Schilderung („Zweiter römiſcher
Aufenthalt“ unterm Zanuar 1788), der ihr als Schäfer Megalio beitrat.

Scheffel. H. . 25


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