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Der Trompeter von Säckingen.
„Was die Vorſehung in gnäd'gem
Walten hier zuſammenführte,
Nimmer ſoll's das Leben trennen.
Geſtern in Sankt Peter, heute
In dem vatikan'ſchen Garten
Hab' ich klar mich überzeuget,
Daß ein Fall hier vorliegt, welcher
Päpſtlicher Entſcheidung harrt.
„'s iſt ein mächtig Weſen, was man
So gewöhnlich Liebe nennet,
Feiner als das Licht durchdringt ſie
Alle Fugen, alle Ritzen
Dieſer Welt, der Stuhl Sankt Petri
Selber wird von ihr behelligt,
Und ſie bittet uns um Beiſtand.
„'s iſt ein freudiger Beruf des
Oberhaupts der Chriſtenheit,
Treuer Liebe manchen Haken,
Manchen Stein des Hinderniſſes
Ebnend aus dem Weg zu räumen.
Unter allen Völkern aber
Sind's die Deutſchen, die am meiſten
Uns damit zu ſchaffen machen.
So kam ſchon der Graf von Gleichen
Aus dem Heil'gen Land nach Rom mit
Türk'ſchem Ehweib, ohnerachtet
Sein zu Haus die Gattin harrte.
Die Annalen melden jetzt noch
Die Verlegenheit, in die er
Damals unſern Vorfahr ſetzte.
So kam auch der unglückſel'gſte
Aller Ritter, der Tannhäuſer:
‚Papſt Urbane, Papſt Urbane,
Heil den Kranken, den die böſe
VBenuſin in ihrem Berge
Sieben Fahr' gefangenhielt!“
Heute iſt der Fall ein andrer,
Viel anmut'ger, — auch betrifft er
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