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18. Löſung und Ende. 391
Kein kanoniſch HSindernis,
Nur ein klein Bedenken — wenn ich
Recht weiß — bei des Fräuleins Vater.
Ihr, Herr Werner, dientet brav mir.
Doch ich las aus Eurer ſtillen
Reſignierten Pflichterfüllung,
Daß Ihr wie der Vogel in dem
Käfig ungern nur geſungen.
Oft erbatet Ihr den Abſchied,
Den ich Euch verſagt', ich würd' auch
Heute nimmer ihn gewähren,
Wenn's der Brauch erlaubte, daß der
Päpſtlichen Kapelle Meiſter
Eines Eh'weibs ſich erfreute;
Doch Ihr wißt, man ſoll in Rom die
Überlief'rung heilighalten;
Paleſtrina ſelber mußte
Deshalb in die Fremde ziehn'.
„Ich entlaſſ' Euch drum in Gnaden,
Und dieweil des Fräuleins Vater
Einſt den Namen Werner Kirchhof
Viel zu einfach fand, ernenn' ich
Euch zum Ritter meines Hofes.
's iſt nicht Euer Wunſch, ich weiß es,
Wen die Kunſt geadelt, dem iſt
Solcher Schmuck unnützes Beiwerk,
Doch das gnäd'ge Fräulein findet
Es vielleicht zweckmäß'ger, wenn ſie
Dem Marcheſe Campoſanto?
Ihre Hand reicht, als dem ſchlichten
Spielmann Werner. — Kraft der Vollmacht,
Die mir ward, zu löſen und zu
Binden, leg' ich Eure Hände
Jetzt zuſammen und verlob' Euch.
Selbſt liebloſe Zeit erfreut ſich
1 Paleſtrina hatte unter Paul IV. 1555 ſeine Stelle als Kapellmeiſter
der Peterskirche niederlegen müſſen, weil er verheiratet war. — 2 Campo-
ſanto iſt die italieniſche UÜberſetzung von „Kirchhof“.
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