Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 397
(PDF, 96 MB)
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Einleitung des Herausgebers.

Die Novelle „Hugideo“ erſchien im Spätherbſt 1857 in
„Weſtermanns Monatsheften“. P. Heyſe und H. Kurz über—
nahmen ſie von da in ihren „Deutſchen Novellenſchatz“; als
ſelbſtändiges Buch ließ der Dichter ſie erft 1884 erſcheinen.
Die Fabel der kleinen Erzählung iſt nicht immer richtig auf⸗
gefaßt worden. Sie erzählt von dem Juthungen Hugideo, der
in der Römerſtadt Augusta Rauracorum gelebt hat als Schüler
des Baumeiſters Funius Meſſenſis. Dort lernte er Benigna
Serena lieben, die Tochter des reichen und vornehmen Steuer-
einnehmers Aſinius Abundantius, fand aber einen verhaßten
Nebenbuhler in einem römiſchen Centurio und mußte die Stadt
verlaſſen, während die Geliebte ſich als Prieſterin der Kybele aus
der Welt zog. Im Herbſte des Jahres 450 läßt er ſich — hier
erſt ſetzt die fortlaufende Erzählung ein — in einer Höhle des
Iſteiner Klotzes nieder, wo der Fiſcher Nebi und die Marmor-
büſte der Geliebten ſeine einzige Geſellſchaft bilden. Als im Jahre
darauf Augusta Rauracorum von den Alemannen geſtürmt und
verbrannt wird, die von der großen Schlacht auf den Katalau—
niſchen Feldern heimkehren, und der Rhein die Leiche der Ge—
liebten anſchwemmt am Fuße ſeiner Felswand, begräbt er die
Teure und gibt ſich ſelbſt den Tod.
Der äußere Ausgang der Erzählung liegt in landſchaftlichen
und geſchichtlichen Tatſachen, von denen der Dichter ſelber ge—
näügende Nachricht gibt. Weſentlicher für die Entſtehung der

25 Dichtung ſind die in ſeinem eigenen Leben gegebenen Ausgangs—

punkte. Es iſt die geläufige Verſicherung der Scheffelbiographen,
daß die Novelle dem Schmerze des Dichters um die verſtorbene
Schweſter entſprungen ſei, „ein Totenopfer des trauernden Bru—
ders“. Gewiß, der Schmerz um die Verlorene zittert darin nach.

30 Der Dichter ſchlich damals durchs Leben „trüb und traurig“ wie


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