Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 398
(PDF, 96 MB)
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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39 8 Hugideo.

ſein Hugideo und „ſchien einen ſchweren Kummer als Reiſe-

gepäck mit ſich zu führen“; wie dieſen erfüllte ihn Sehnſucht

nach dem Tode, und er mag damals öfter in den Rhein geſehen
haben, „als zöge es ihn hinunter und möchte er am liebſten auf
kühlem Stromgrunde ſein Quartier nehmen“. Auch hat die An⸗-
fertigung einer Büſte der Verſtorbenen durch einen Münchener
Künſtler ihn lange und lebhaft beſchäftigt. Aber alle ſonſtigen
Beſtimmungen der Handlung weiſen doch nach ganz anderer
Seite. Im Mittelpunkte der Novelle ſteht eine unglückliche Liebe.
Dem Helden aber blieb das Ziel ſeiner Wünſche unerreichbar,
nicht weil die Geliebte, wie Prölß erklären will, ſeiner Liebe
„in keuſcher Unnahbarkeit als Prieſterin der Kybele gegenüber-
geſtanden“ hätte; ausdrücklich ſagt der Dichter, daß ſie erſt ein
Jahr vor ihrem Tode den Schleier genommen, das heißt alſo,
da Augſt im Herbſt 451 verbrannt wird, erſt als Hugideo die
Stadt verließ. Benigna Serena hat alſo offenbar auch ihrerſeits
den Hugideo geliebt; ſeine Hand aber war ihr verwehrt worden.
Durch welche Umſtände, ſagt der Dichter nicht ausdrücklich, aber
es läßt ſich mittelbar feſtſtellen. Denn die Novelle iſt doch gewiß
nichts anderes als die künſtleriſche Ausgeſtaltung und Überwindung
jenes Liebesverhältniſſes, das den Dichter ein Fahr vor ihrem Er⸗
ſcheinen erſchütterte. Er hatte in Rippoldsau im Auguſt und Sep⸗
tember 1856 nach dem ſchweren Fieber, das ihn auf der Reiſe
nach Südfrankreich überfallen hatte, Erholung geſucht und ge—
funden. Aber, ſo ſchrieb er im Fanuar 1857 an Schwanitz, „in
den tannwaldigen harzduftenden Höhen von Rippoldsau iſt mir,
auf daß die Kataſtrophen des Fahres 56 noch nicht zu Ende ſeien,
eine ganz verfehlte, aber tiefgehende und herzſchüttelnde Ge⸗
ſchichte mit einem Schweſternpaar aus Straßburg paſſiert, die
erſt um die Weihnachtzeit v. J. ihre definitive Löſung gefunden
und mich ſehr unglücklich gemacht.. Honneur et argent! Davon
kann ich Dir jetzt noch nichts erzählen, da ich noch nicht, objektiv
genug bin.“ Der Dichter hatte eine ſchöne Straßburger Züdin
kennen und lieben gelernt und um ſie geworben, war aber wegen
Mangels ausreichender Glücksgüter vom Vater abgewieſen wor⸗
den. Erinnerungen an dieſes Erlebnis, mit einem ähnlichen ſpä⸗
terer Zeit verwoben, ſpielen noch in den Liederkranz des „Ma—
gus vom Finſteren Grunde“ in „Frau Aventiure“ hinein; ich

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