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Der jugendͤliche Vater Rhein, nachdem er bei Baſel
ſeinen Lauf verändert und in rechtwinkliger Biegung ſeine
Stromwanderung gen Norden fortſetzt, hat dortlands
wenig Berge und ſtolze Höhen mehr zur Seite, die ihn
5 an ſeine alpenumtürmte Heimat gemahnen. Doch ſchickt
ihm der Schwarzwald einen ſeiner Ausläufer gleichſam als
dienſttuenden Kammerherrn entgegen, daß er den Strom⸗
gewaltigen ehrerbietig empfange und ihm einen Gruß
mitgebe an das, was jenſeits Mainz wieder als fröhliches
io Gebirge ſeine Ufer umſäumt. L
Selbiger Ausläufer iſt eine ſenkrecht und ſteil in die
Rheinflut abfallende Kalkwand, ein einzelner vorgefchobe⸗
ner Poſten jener großen Heerſchar, die der Belchen und
der Blauen befehligen, hat keine ſehr anmutige Form und
1̈ wird von den Leuten ſeines gröblichen Äußern halber mit
nicht ſchmeichelhafter Benennung der „Klotz von Iſtein“
geheißen. Wächſt übrigens heutzutag' ein guter Tropfen
Weines darauf.
Als man zählte nach unſres Herrn Erſcheinen vierhun⸗
dertundfunfzig Fahr', war's ein ſpärlich bewohnter, wil⸗—
der Strich Landes, was dort am rechten Rheinufer ſich
hinzog. Drüben am ſtädtereicheren linken Ufer galt rö⸗
miſch Recht und römiſch Weſen, diesſeits aber ſaßen und
ſchweiften die Alamannen, ein rauh, ſtreitbar, bärbeißig,
2 dreinſchlagend Volk — und war ſomit am Iſteiner
Klotz das alte Sprichwort „auf einen groben Klotz ein
grober Keil“ bezüglich der Landeinwohner ziemlich ein—
getroffen. Sie lebten in wenigen zerſtreuten Gehöften,
trieben FJagd im Schwarzwald und Fiſchfang in Bach
zo und Strom, verſchliefen manch lieben langen Tag auf der
Bärenhaut, vertranken manch liebe lange Nacht beim
Bierkrug und harrten, bis das Heethorn blies und ſie zu
Scheffel. II. 26
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