Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 406
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0406
406 gugideo.

brücke zum Fels mit dem Steinbild, zog die Tannenſtämme
an ſich und ſtand nun jenſeits des unnahbaren Abgrundes

wie ein Gewaltiger. Da belagerten ſie ihn zwei Tage, er

aber verteidigte ſich kühnlich, und manch ein Felsſtück
flog wohlgeſchleudert von ſeiner Hand in den tobenden
Schwarm, ſo daß ſie letztlich ſprachen: „Das iſt ein ſonder⸗
barer Heiliger — wirft mit Steinen, die ſonſt kaum ihrer
drei erſchwingen möchten, ſtatt mit Gründen um ſich —
laſſen wir ihn auf ſeinem Klotz!“
Bald ſchallte in der Rheinebene Hornruf und der alte
Kriegsgeſang vom Herzog Krokus; ſie zogen auf die Heer
fahrt, die einen zu Roß, die andern auf wohlgeſchirrten
Ochſenwagen, wieder andere in ſchmalen Nachen, ein
wenig bekleideter, aber mit Schwert, Axt und Schild ge⸗
waffneter wilder Kriegerſchwarm — alle landab zum gro⸗
ßßen hunniſchen Rheinübergang.
Zetzt war's lange ſtiller und einſamer um den Klotz
von Iſtein als je, und Hugideo ſaß wieder wie ſonſt auf
ſeinem Felſenvorſprung.
Die Welt war ein klirrendes, ſchwirrendes Kriegslager
geworden, deſſen Lärm den Kaiſern zu Ravennal und By-
zanz manch ſchlafloſe Nacht bereitete, — die Wogen der
großen Völkerſündflut ſchlugen über dem armen Gallien
zuſammen — er hörte nichts davon.
An einem nebligen Herbſtabend ſtand ſein Freund,
der Salmenfiſcher, wieder vor ihm; er trug eine Hand
weniger, als da er ausgezogen, und ſonſt noch etliche
namhafte Spuren von Zerhackung und Zerſäblung, aber
einen Gürtel um den Leib, ſchwer von römiſchen Gold—
münzen, und ein vornehm goldgriffig Schwert an der
Seite.
„Bei der Seele meiner Mutter! das war das ärgſte,
ſeit die Welt ſteht und bis ſie wieder untergeht!“ ſprach
er..ð und erzählte ihm die Völkerſchlacht auf den Katalau -
niſchen Felderne, wo die Alamannen auf Attilas rechtem

1 Her weſtrömiſche Kaiſer der Zeit, Valentinlan III., hielt in Ravenna
Hof. — ² Die Lage des Schlachtfelds iſt umſtritten; man ſucht es jetzt ge⸗
wöhnlich bei Troyes.



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