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Einleitung des Herausgeb ers.
Die Entſtehungsgeſchichte der „Juniperus“-Novelle hat Schef⸗
fel ſelbſt im Vorwort erzählt. Es waren die erſten Frühlings⸗
und Sommertage des Fahres 1858, da jene Landſchaft und zu⸗
gleich jene geiſtige Welt ihn umfing, die das Vorwort ſchildert.
5 Von Donaueſchingen aus durchwanderte er die erinnerungsreichen
Burgen und Täler der Baar und des Hegaus, ſuchte er Archiv
und Keller der gaſtfreien Mönche von Rheinau auf, mit urkund-
lichen Studien für ſeinen Herrn, den Fürſten von Fürſtenberg,
beauftragt. Sein dichteriſches Planen und Denken aber war
ganz auf die letzten Fahrzehnte des 12. Fahrhunderts eingeſtellt;
hatte er doch im Herbſt vorher den Plan zu dem großen Wart—
burgromane gefaßt und ſogleich durch gelehrte Studien und
künſtleriſche Entwürfe kräftig gefördert.
Wir haben in der Einleitung zu „Frau Aventiure“ (oben,
15 S. 12) ausgeführt, wie auch die „Juniperus“-Novelle urſprüng-
lich als Einlage für den „Viola“-Roman beſtimmt war. Ihn
ſollte die Belagerung Akkons durch die Kreuzfahrer in den
Jahren 1189—90 eröffnen. Und der Dichter hatte die ge—
naueſten Vorſtudien für ihre Schilderung gemacht, einen Plan
ꝛ der Stadt und alte Belagerungsmaſchinen gezeichnet, Art und
Verlauf der Kämpfe ſich vergegenwärtigt. „Ich werde nun“,
ſo ſchrieb er dem Kommandanten der Wartburg im Februar
1859, „das Lagerleben vor Ptolomais luſtig und tragiſch aus—
ſtaffieren... der Sturm des vermaledeiten Turms . das
25 Niederraſſeln der Fallbrücken auf die Zinnen des feindlichen
Vorwerkes, die brennenden Holzgerüſte, das Hinabwerfen der
andringenden Stürmer, der ganze hoffnungsloſe, aber tapfere
Berzweiflungskampf ſteht lebhaft auf den Regiſtern der Phan⸗-
taſie. Die Verwundeten werden dann auf das Kloſter des Ber-
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